Krebs: Fortschritt in der Forschung


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Neuroblastome sind Tumoren, die bei sehr kleinen Kindern auftreten und nicht immer behandelbar sind. Bei der Erforschung dieser Krebsform sind Würzburger Wissenschaftler weitergekommen: Durch das Ausschalten eines Gens zügelten sie das Wachstum der Tumorzellen, wie sie in Cancer Cell berichten.

Häufig entstehen Neuroblastome im Bauch. Die erkrankten Kinder – sie sind meist jünger als ein Jahr – haben dann Bauchschmerzen oder Atembeschwerden, weil der Tumor auf die Lunge drückt. Glücklicherweise kommt diese Krebserkrankung nur relativ selten vor; in Deutschland werden pro Jahr rund 130 Fälle diagnostiziert.

Die Aussichten der Patienten

„Etwa 80 Prozent der erkrankten Kinder geht es relativ gut, bei ihnen wirken die herkömmlichen Therapien“, sagt Professor Martin Eilers von der Universität Würzburg.

Anders sieht es bei den restlichen 20 Prozent aus: Sie sind in schlechter Verfassung, die Behandlungsmethoden versagen und die meisten von ihnen müssen sterben. Alle Versuche, die Therapien für diese Gruppe zu verbessern, sind bislang gescheitert.

Was den Tumor so aggressiv macht

Neuroblastome, die sich derart drastisch auswirken, haben etwas gemeinsam: In den Tumorzellen ist ein Gen namens MYCN mutiert. „Wir haben vermutet, dass diese Mutation nicht allein für die Therapieresistenz der Tumoren verantwortlich ist“, sagt Martin Eilers.

Die Suche nach Krebs-Genen

Sein Team fahndete darum nach weiteren Genen, die für das Wachstum der aggressiven Neuroblastome nötig sind, für gesunde Zellen aber bedeutungslos: „Wir haben in Zellkulturen systematisch Gen für Gen abgeschaltet und dann geprüft, welchen Effekt das jeweils auf die Krebszellen hat.“

Rund 200 Gene mussten die Forscher lahmlegen und fünf Jahre Arbeit investieren, bis ihre Suche erfolgreich war: Als sie das so genannte AURKA-Gen ausgeschaltet hatten, stellten die Neuroblastom-Zellen ihr Wachstum ein.

Warum das passiert? „Das AURKA-Gen erzeugt das Protein Aurora A. Das wiederum bindet sich an das Mycn-Protein und stabilisiert es. Fehlt Aurora A, wird das andere Protein instabil und die Tumorzellen wachsen nicht weiter“, erklärt der Würzburger Professor.

Die nächsten Forschungsschritte

Bis diese Erkenntnisse möglicherweise einmal zu einer Therapie für krebskranke Kinder führen können, sind noch viele Jahre Forschungsarbeit nötig. Zunächst werden Eilers und sein Team in den Zellkulturen weitere Details des neu entdeckten Mechanismus studieren. Gleichzeitig beginnt die Suche nach Hemmstoffen, die das Aurora-Protein unterdrücken können.

„Stabilization of N-Myc Is a Critical Function of Aurora A in Human Neuroblastoma“, Tobias Otto, Sebastian Horn, Markus Brockmann, Ursula Eilers, Lars Schüttrumpf, Nikita Popov, Anna Marie Kenney, Johannes H. Schulte, Roderick Beijersbergen, Holger Christiansen, Bernd Berwanger und Martin Eilers, Cancer Cell, Vol. 15 (1), Seiten 67-78, 6. Januar 2009, doi:10.1016/j.ccr.2008.12.005

Der Beitrag ist auf der Homepage von Cancer Cell als Featured Article öffentlich zugänglich.

Die Forschung von Martin Eilers

Martin Eilers hat seit Oktober 2008 den Lehrstuhl für Physiologische Chemie II am Biozentrum der Universität Würzburg inne. Er erforscht grundlegende Mechanismen der Tumorentstehung. Dabei spielen die drei MYC-Gene – eines davon ist MYCN – eine wichtige Rolle: „Sie tragen zur Entstehung vieler, möglicherweise fast aller Tumore beim Menschen bei“, so der Professor.

Die MYC-Gene steuern die Produktion der Myc-Proteine. Von diesen Proteinen stellen Tumore in aller Regel viel größere Mengen her als normale Gewebe. Außerdem regen Myc-Proteine normale Zellen dazu an, unkontrolliert zu wachsen. „Es gibt viele Hinweise darauf, dass es eine gute Tumortherapie wäre, wenn man Myc-Proteine mit Medikamenten hemmen könnte“.

Zur Person: Martin Eilers

Martin Eilers, 1960 in Bonn geboren, studierte Chemie und Biochemie an den Universitäten Münster, Tübingen und Edinburgh. Seine Dissertation fertigte er am Biozentrum der Universität Basel an. Als Postdoc forschte er von 1988 bis 1990 an der University of California in San Francisco im Labor des Nobelpreisträgers Michael Bishop.

1991 kam er zurück nach Deutschland und leitete eine Forschungsgruppe am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg. Von 1997 bis 2008 war er Professor am Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung der Universität Marburg.

Mit den Marburger Wissenschaftlern wird Eilers weiterhin eng zusammenarbeiten: im Transregio-Sonderforschungsbereich „Ras-dependent pathways in human Cancer“ und in der Klinischen Forschergruppe „Genetics of Drug Resistance in Cancer“, ebenfalls eine Kooperation zwischen Würzburg und Marburg.

Kontakt

Prof. Dr. Martin Eilers, T (0931) 888-4442, martin.eilers@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Von: Robert Emmerich

07.01.2009, 10:47 Uhr